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Der Rat für Migration e.V.

ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Er sieht seine zentrale Aufgabe in einer öffentlich kritischen Begleitung der Politik in Fragen von Migration und Integration. Seit seiner Gründung setzt er sich mit seinen Publikationen, Auftritten in der Öffentlichkeit und Stellungnahmen in den Medien für eine differenzierte, demokratische und weitsichtige politische Gestaltung von Migration und Integration ein. Seit November 2012 geschieht dies insbesondere über das Projekt "Mediendienst Integration", ein Serviceportal für Medienschaffende und interessierte Multiplikatoren. In enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern trägt der „Mediendienst“ zu einer sachbezogenen,  aspektreichen  Debatte über Migration und Integration in Deutschland bei.

Über den Menüpunkt "Mediendienst Integration" kommen Sie direkt zu dessen Startseite.

 

Pressemitteilung vom Rat für Migration, 22. Mai 2014

Paradigmenwechsel im Integrationsdiskurs - Gauck definiert Deutschsein neu 
 

Anlässlich des 65. Jahrestags des Grundgesetzes hielt Bundespräsident Joachim Gauck in einem Einbürgerungsfestakt eine Grundsatzrede. Darin hebt der Bundespräsident den Integrationsdiskurs programmatisch auf eine neue Ebene. Gegen „Multikulti ist gescheitert“ setzt er ein neues Leitmotiv für die Politik in der Migrationsgesellschaft und spricht von der „Einheit der Verschiedenen“. Damit bricht er mit der bisherigen Anpassungsrhetorik in der Integrationsdebatte.

Besonders begrüßenswert ist die Tatsache, dass er den Blick in seiner Grundsatzrede zu Integration auf die gesamte Gesellschaft richtet und nicht auf die Migranten allein. Nicht nur die Einwanderer, sondern auch der Öffentliche Dienst, die Medien, die Hochkultur, die Politik und besonders die Schulen stünden in der Verantwortung. Das entspricht dem Wissensstand in der Forschung, Integration als gesamtgesellschaftlichen Prozess zu betrachten. 

Gauck spricht in seiner Rede von einem „neuen deutschen Wir“, das die „Einheit der Verschiedenen“ betont und erklärt damit die Vielfalt und Veränderung in der Bevölkerung zur Normalität. Mit der heutigen Rede macht er die Einwanderungsgesellschaft nicht nur zu einem zentralen Thema seiner Präsidentschaft, sondern definiert auch das Deutschsein neu. 

Der Bundespräsident bekennt sich eindeutig zu transnationalen Identitäten, doppelter Staatsangehörigkeit und vielfältigen Zugehörigkeiten und beschreibt sie als Bereicherung. Das bricht mit dem nationalstaatlichen Diskurs, der bislang die deutsche Debatte bestimmte. Der Rat für Migration begrüßt diese Richtung ausdrücklich.

Es wäre wünschenswert, wenn dieses neue Leitmotiv mit politischen Inhalten gefüllt wird und in einer Enquete-Kommission im Bundestag Wege zur Umsetzbarkeit erarbeitet werden.

Dr. Naika Foroutan, Prof. Dr. Andreas Pott, Werner Schiffauer
Als PDF-Datei

1. Oktober 2013:
Für eine Neuordnung der Migrations- und Integrationsbelange auf der Bundesebene

Offener Brief des bundesweiten Rates für Migration (RfM) an die neue Bundesregierung und die politischen Parteien im Deutschen Bundestag

Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft mit schon mehreren Generationen von Einwanderern. Strukturen und Lebensformen verändern sich, beschleunigt durch den Druck des demografischen Wandels. Migration und Integration sind Schlüsselthemen von Gegenwart und Zukunft, die fast alle Politikbereiche durchdringen. Nötig sind dazu umfassende und langfristig ausgerichtete gesellschaftspolitische Gestaltungsperspektiven.

Zur Petition
Offenen Brief als PDF-Datei
Pressemitteilung als PDF-Datei

 

Migrationspolitik heute – Perspektiven der Wissenschaft
22. November 2013 in Berlin

Der Rat für Migration veranstaltet in diesem Herbst in Kooperation mit der Akademie des Jüdischen Museums eine Fachtagung. Unter dem Titel "Migrationspolitik heute" diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie andere Interessierte über neue Ansätze für eine zeitgemäße Migrations– und Integrationsforschung, z.B. zur Frage, ob der klassische Integrationsbegriff in Zeiten postnationaler Ordnungen und zunehmender Diversifizierung der Einwanderung noch trägt bzw. welcher Ansatz angemessener ist. Sobald das Programm in allen Einzelheiten steht, wird es hier einsehbar sein.
Programm als PDF-Datei


 
15 Jahre Rat für Migration
Am 7. Juli 1998 gründeten Wissenschaftler den "Rat für Migration". Ziel des interdisziplinären Gremiums: fundierte und kritische Politikbegleitung in der Einwanderungsgesellschaft. Was genau hatten die Gründer damals im Sinn? Und was wurde bislang erreicht? Der Mediendienst Integration hat einen Hintergrundbericht veröffentlicht.
Eine aktuelle Publikation der Mitglieder

Karl-Heinz Meier-Braun / Reinhold Weber (Hrsg.)
Deutschland Einwanderungsland
Begriffe - Fakten - Kontroversen

Preis: EUR 19,90

Die Themen Migration und Integration haben sich in den vergangenen Jahren dynamisch zum eigenständigen Politikfeld entwickelt. Politik und Wirtschaft, Öffentlichkeit und Medien sind sich einig, dass es sich um zentrale Themen der Zukunft handelt. Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft, um ihren inneren Zusammenhalt, aber auch um die Herausforderung des demographischen Wandels. Die Themen Migration und Integration sind aber nicht nur in aller Munde, sondern zunehmend auch praktisches Politikfeld auf allen Ebenen - ob in Bund, Länder oder vor allem im kommunalen Bereich, wo sich Zehntausende professionell oder ehrenamtlich mit diesen Themen beschäftigen. Mit diesem Band liefern die Herausgeber ein handliches Kompendium, das in kurzen, sachlichen Beiträgen von namhaften Autoren aus ganz Deutschland verlässliche Informationen über mehr als 60 zentrale Begriffe aus dem Politikfeld Migration/Integration liefert.
Autorenporträt
Dr. Reinhold Weber ist Publikationsreferent bei der Landeszentrale für politische Bildung, Professor Dr. Karl-Heinz Meier-Braun ist Leiter der Redaktion SWR International sowie Honorarprofessor in Tübingen. Beide Autoren sind Mitglieder des Rats für Migration (RfM).

Zur Bestellseite beim Kohlhammer-Verlag

Klaus J. Bade
Kritik und Gewalt

Die ‚Integrationsdebatte‘ nach Thilo Sarrazins Buch ‚Deutschland schafft sich ab‘ offenbarte ein Paradox – eine wachsende Akzeptanz des kulturellen Pluralismus, besonders unter jüngeren Menschen, und zugleich massive kulturelle Ressentiments in der Einwanderungsgesellschaft.

In seinem neuen Buch Kritik und Gewalt beleuchtet der renommierte Migrationsforscher und Politikberater Klaus J. Bade Ursachen, Hintergründe und die bedrohlichen Folgen dieser paradoxen Spannung. Ihr Ergebnis ist eine gefährliche Ersatzdebatte anstelle der verdrängten Diskussion um die neue Identität in der Einwanderungsgesellschaft. Diese Ersatzdebatte beschreibt Bade als ‚negative Integration‘: die Selbstvergewisserung der Mehrheit durch die Ausgrenzung einer großen – muslimischen – Minderheit. Bades fundierte Analyse und die Brisanz der ‚negativen Integration‘ sollte man kennen!